Werte in der (digitalen) Transformation

Digitale Transformation als Herausforderung für Werte und Kultur

Die digitale Transformation verändert nicht nur technische Systeme, sondern stellt zugleich die kulturelle und normative Orientierung von Nonprofits grundlegend infrage. Digitale Technologien eröffnen neue Formen der Kommunikation, Transparenz und Partizipation, bringen jedoch zugleich Erwartungen an Effizienz und Beschleunigung mit sich, die stark durch privatwirtschaftliche Logiken geprägt sind. Für Organisationen, deren Arbeit auf Gemeinwohlorientierung, Partizipation und ethischen Leitlinien beruht, rückt daher die Bedeutung von Werten zunehmend in den Mittelpunkt. Sie definieren, was als verantwortungsvolles Handeln gilt, und bilden den Rahmen für eine angemessene Gestaltung technologischer Entwicklungen.

Mit der Einführung digitaler Werkzeuge entstehen Fragen nach Transparenz, Teilhabe und Fairness, die sicherstellen sollen, dass technologische Entscheidungen mit dem gesellschaftlichen Auftrag der Organisation übereinstimmen. In diesem Prozess werden Entscheidungsstrukturen stärker durch datenbasierte Legitimation geprägt, soziale Beziehungen vermehrt durch digitale Infrastrukturen vermittelt und normative Bezugspunkte wie Inklusion, Verantwortung und Autonomie immer wieder neu ausgehandelt. Dadurch formiert sich eine veränderte Disposition organisationaler Praxis, die nicht nur technische Kompetenzen erfordert, sondern auch eine kontinuierliche Reflexion und Weiterentwicklung kultureller Selbstverständlichkeiten und Werte.

Veränderte Wertedynamiken

Digitale Technologien greifen tief in Prozesse, Rollen und Kommunikationswege ein und verändern damit auch das organisationale Werteverständnis. Sie eröffnen Chancen, etwa für mehr Transparenz oder breitere Beteiligung, erzeugen aber zugleich neue Abhängigkeiten, Komplexitäten und Machtasymmetrien. Zivilgesellschaftliche Organisationen sind dabei besonders gefordert: Sie agieren in einem Umfeld, das durch „shrinking spaces“, Plattformlogiken und algorithmische Sichtbarkeit geprägt ist. Dadurch wird die Frage zentral, wie NPOs ihre Werte im digitalen Raum aktiv behaupten, weiterentwickeln oder neu formulieren können. Eine hilfreiche Grundlage bietet die Unterscheidung zwischen Überlebenswerten (Stabilität und Ressourcen), ethischen Werten (Verhaltensorientierung nach innen und außen) und Werten des Wohlbefindens (gesellschaftlicher Nutzen und Wirkung). Sie ermöglicht es, Werte auch im Spannungsfeld digitaler Transformation klar zu verorten.

Wertearbeit

Wertearbeit wird damit zu einem zentralen Bestandteil digitaler Transformationsprozesse. Sie stellt sicher, dass technologische Innovationen nicht losgelöst von normativen Grundlagen erfolgen, sondern im Einklang mit der Mission, Identität und Verantwortung der Organisation stehen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Partizipation: Sie ist Ausdruck zentraler Werte wie z. B. Transparenz und Teilhabe und zugleich ein wirksames Instrument, um digitale Veränderungen gemeinsam, inklusiv und legitim zu gestalten. Workshops, Dialogformate und wiederkehrende Reflexionsschleifen helfen, Selbstbild, Kommunikation und gelebte Praxis abzugleichen und eine konsistente Wertebasis zu sichern.

Wesentlich ist dabei nicht nur eine wertorientierte Nutzung digitaler Werkzeuge, sondern ebenso eine wertorientierte Implementierung. Bereits der Prozess der Einführung neuer Technologien sollte so gestaltet sein, dass er normative Leitlinien berücksichtigt, Beteiligung ermöglicht und mögliche Auswirkungen auf Verantwortungsstrukturen, Autonomie oder Fairness sichtbar macht. Auf diese Weise wird die technische Innovation selbst zu einem Prüfstein organisationaler Werte und zu einem Anlass, diese weiter zu schärfen und zu verankern.

Werteorientierte Strategien für den digitalen Wandel

Da digitale Transformation ein fortlaufender Wandel der organisationalen Identität ist, müssen Werte im digitalen Kontext bewusst reflektiert, ausgehandelt und sichtbar verankert werden. Eine wertebasierte Digital- oder KI-Strategie kann hierfür ein wichtiges Instrument sein. Sie definiert, welche Technologien eingesetzt werden sollen, welche Prinzipien gelten und wie technologische Entwicklungen verantwortungsvoll gestaltet werden können. Auch wenn NPOs hierfür oft nur begrenzte Ressourcen haben, zeigt sich: Eine klare Werteorientierung stärkt die Organisation, schützt vor ungewollten Abhängigkeiten und sichert ihre Gemeinwohlorientierung auch unter digitalen Bedingungen. So wird digitale Transformation nicht zu einem rein technischen Projekt, sondern zu einem normativ fundierten Entwicklungsprozess, der die gesellschaftliche Verantwortung der Organisation im digitalen Raum stärkt.