Wie können Organisationen ihre Werte definieren?

NPOs definieren ihre Werte, indem sie klären, wofür die Organisation steht und welche Prinzipien ihr Handeln leiten sollen. Werte entstehen nicht abstrakt, sondern im gemeinsamen Austausch, in Erfahrungen und in der Reflexion dessen, was gutes organisationales Handeln ausmacht. Für NPOs, deren Arbeit auf Gemeinwohlorientierung und Partizipation basiert, ist dieser dialogische Aushandlungsprozess zentral.

Ausgangspunkt für Werte ist der verankerte Organisationszweck, aus dem sich der gesellschaftliche Beitrag (oftmals auch die Gemeinnützigkeit) und das Selbstverständnis der NPO ableiten. Zur Strukturierung eignen sich die von Jaakson K. definierten drei Wertdimensionen: ökonomische Werte, die das Überleben der Organisation sichern; ethische Werte, die Verhalten und Zusammenarbeit leiten; und Werte des Wohlbefindens, die den gesellschaftlichen Nutzen und einen Beitrag zur Solidarität beschreiben. Diese Differenzierung erleichtert eine klare Verortung der Werte nach innen und außen.

Ein wirksamer Werteprozess ist partizipativ angelegt. Mitarbeitende, Ehrenamtliche und weitere Stakeholder entwickeln in gemeinsamen Formaten wie Workshops, Teamdialogen oder Feedbackprozessen prägnante Leitwerte, die verständlich und handlungsleitend sind. Diese werden anschließend in konkrete Prinzipien für Entscheidungen und Verhalten übersetzt.

Wirksam werden Werte erst, wenn sie in Strukturen, Prozessen und Alltagsentscheidungen organisch und sichtbar verankert sind. Dies erfordert Reflexionsbereitschaft und Handlungskompetenz und macht Werte zum Maßstab für Führung, Zusammenarbeit und Erfolg.

Da NPO und gesellschaftliche Rahmenbedingungen sich im ständigen Wandel befinden, müssen Werte regelmäßig überprüft und weiterentwickelt werden. Wiederkehrende Reflexionsprozesse stellen sicher, dass Werte präsent und lebendig bleiben sowie in sich wandelnden Gegebenheiten Orientierung bieten. Eine klar definierte und gelebte Wertebasis stärkt die Organisationskultur, verbessert Handlungsprozesse und Entscheidungsfindung und fördert eine verantwortungsvolle, am Gemeinwohl orientierte Praxis.

6 Schritte zu einem gemeinsamen Wertverständnis

Schritt 1
Ausgangslage bestimmen

Den organisationalen Zweck und die Mission prüfen – sie bilden den normativen Rahmen für alle Werte.

Schritt 2
Dialog eröffnen

Mitarbeitende, Ehrenamtliche und weitere Stakeholder in Workshops oder Teamgesprächen einbeziehen, um unterschiedliche Erfahrungen und Erwartungen sichtbar zu machen. Wertethemen systematisch sammeln und die Ergebnisse sorgfältig dokumentieren.

Schritt 3
Leitwerte formulieren

Aus den Ergebnissen des Dialogs sollen wenige prägnante und zutreffendsten Werte ausgewählt, sprachlich präzisiert und in ihrer Bedeutung für Verhalten, Zusammenarbeit sowie gesellschaftliche Wirkung und Mehrwert erläutert werden.

Schritt 4
Umsetzungsstrategie entwickeln

Festlegen, wie die Leitwerte im Alltag konkret sichtbar werden. Z.B. in Regeln, Entscheidungsprozessen, Führungsprinzipien und der Nutzung digitaler Werkzeuge.

Schritt 5
Verankern

Werte in Leitlinien, Prozessen und Strukturen integrieren und durch aktive Kommunikation, klare Verantwortlichkeiten oder Regeln im Organisationsalltag absichern.

Schritt 6
Reflektieren und anpassen

In regelmäßigen Reflexionsschleifen prüfen, ob die Werte gelebt werden, wo Spannungen auftreten und welche Weiterentwicklungen notwendig sind.